"Fledermäuse, Vampire des Tierreichs"

mit freundlicher Genehmigung vom Fledermausschutzbund NRW   http://www.fledermausschutz.de

Verfolgung und Aberglaube
Die heimliche Lebensweise, Fledermäuse fliegen ja erst nach Sonnenuntergang auf die Beutejagd aus, ihr lautloser Flug und ihr lange Zeit unbekannter Orientierungssinn haben die Fledermäuse in den Ruf gebracht, mit dem Teufel im Bunde zu sein. Der Mensch ging bereits früh dazu über, den Tieren magische
Kräfte zuzuschreiben, und keine Tierart wurde so stark verfolgt und mit Gerüchten belegt, wie die Fledermäuse. Die Tiere wurden an Stalltüren genagelt, um böse Geister abzuwehren und man braute aus ihren Körperteilen merkwürdige Zaubertränke. Sie wurden in flüssiges Blei geworfen, um daraus gefertigte Kugeln treffsicher zu machen.

Die Menschen im Mittelalter fürchteten sich vor ihnen und dichteten ihnen Zauberkräfte an. Das hat dazu geführt, dass die Fledermäuse verfolgt und vernichtet wurden, wo immer man sie fand. Auch heute noch ist der alte Aberglaube nicht ausgestorben. Obwohl die meisten Menschen noch nie eine Fledermaus gesehen haben, fürchten oder ekeln sie sich vor ihnen. Vollkommen grundlos, denn wer die Tiere einmal aus der Nähe gesehen hat, wird zugeben, dass Fledermäuse recht niedlich aussehen. Viele Menschen haben eine falsche Vorstellung von der Größe unserer Fledermäuse. Die größte heimische Art erreicht gerade einmal eine Körperlänge von 8 Zentimetern. Einige Menschen glauben noch, dass Fledermäuse ihnen in die Haare fliegen könnten. Dies ist allerdings völlig absurd.

Es gibt aber auch Kulturen, da werden Fledermäuse als Gottheiten verehrt, zum Beispiel die Flughunde in den Tempelgrotten von Bali. sie werden dort geachtet und als Glücksbringer angesehen. Das chinesische Wort "Fu" ist gleichbedeutend mit Fledermaus und Glück.


Lebensweise
Fledermäuse gehören zu den Säugetieren, die einen Winterschlaf halten. So überdauern sie die insektenarme Zeit des Jahres. Während des Winterschlafes laufen sämtliche Lebensfunktionen auf Sparflamme. Der Herzschlag fällt von ungefähr 600 Schlägen pro Minute auf nur 10 Schläge ab und auch die Atemfrequenz geht stark zurück. Während des Schlafes ist der Stoffwechsel fast ausgeschaltet. Auf diese Weise verbrauchen die Fledermäuse nur sehr wenig Energie und können von ihren Fettreserven leben.

Es handelt sich hierbei jedoch nicht um einen echten Schlaf. Die Fledermäuse registrieren alles, was in ihrer Umgebung passiert. Vielmehr ist der Name "Winterlethargie" passender. Die Fledermäuse benötigen für das Aufwachen aus dieser Winterlethargie recht viel Energie. So kann es vorkommen, dass ein Tier
nicht über einen ausreichenden Fettvorrat verfügt und langsam stirbt. Besonders bei häufigen Störungen im Winterquartier kann dies passieren, da die Tiere zwangsläufig aufwachen und unnötig von ihren Reserven zehren. Aber auch nach langen und harten Wintern sind einige Ausfälle festzustellen.

Die meisten Fledermausarten beziehen geschützte Höhlen, alte Stollen und andere unterirdische Verstecke zur Überwinterung, einige Arten allerdings auch ausgefaulte Baumhöhlen. Der Winterschlaf wird regelmäßig unterbrochen, um die klimatischen Bedingungen des Quartiers zu überprüfen. Sollte das Mikroklima den Winterschläfern nicht mehr zusagen, werden auch im tiefen Winter Quartierwechsel durchgeführt. Die Ansprüche an das Quartier sind von Art zu Art verschieden. Einige Arten bevorzugen kühle Überwinterungsplätze, andere benötigen jedoch etwas wärmere Bereiche. Die Temperatur der Winterquartiere liegt zwischen 2° C und 12° C.

Besonders wichtig ist eine hohe Luftfeuchtigkeit, da die Fledermäuse sonst durch Austrocknung gefährdet sind. Auch hinsichtlich der Hangplatzwahl unterscheiden sich die Arten. Besonders das Mausohr bevorzugt offene Hangplätze.

Die meisten Fledermausarten verstecken sich jedoch in Ritzen und Spalten und sind nur sehr schwer zu entdecken.

Mitte März bis Anfang April erwachen die Fledermäuse langsam aus ihrer Lethargie und machen sich auf den Weg in ihre angestammten Sommerlebensräume. Dabei legen sie Strecken zurück, die je nach Art bis zu 1500 Kilometer weit reichen können. In ihren Sommerquartieren angekommen, finden sich die Weibchen zu Gesellschaften zusammen, den sogenannten Wochenstuben, in denen sie ihre Jungen zur Welt bringen. Fledermäuse gebären ein, selten zwei Junge pro Jahr. Diese werden von der Mutter ungefähr 4 - 6 Wochen gesäugt, bis sie flügge sind. Während die Mutter nachts zur Beutejagd geflogen ist, bleiben die Jungen in den Wochenstuben zurück. Die Mutter kehrt allerdings mehrmals in der Nacht von ihren Beuteflügen zurück, um die Jungen zu säugen und zu wärmen. Tagsüber verfallen die Fledermäuse in eine Tagesschlaflethargie, die dem Winterschlaf ähnelt, wobei die Körperfunktionen aber nicht so extrem abfallen. In dieser Tagesschlaflethargie können die Tiere auch Schlechtwetterperioden überdauern, benötigen aber nach wenigen Tagen wieder Nahrung.

Nach 4 - 6 Wochen, wenn die Jungtiere kräftig genug sind und selbst fliegen können, lernen sie von der Mutter das Insektenjagen und alles, was sie zum Überleben brauchen. Die Wochenstuben und Männchenquartiere befinden sich, je nach Fledermausart, in Dachstühlen von Gebäuden, an der Außenfassade in kleinen Mauerritzen, in Viehställen oder aber in Baumhöhlen. Die überwiegende Zahl
der bei uns beheimateten Fledermausarten bevorzugt Baumhöhlen als Tagesverstecke. Allerdings müssen diese Quartiere bestimmte Kriterien erfüllen. Ein entscheidender Faktor ist das Vorhandensein eines ausgefaulten Bereiches oberhalb des Einschlupfloches. Typische Baumhöhlenbewohner sind der Große Abendsegler, der Kleinabendsegler, die Bechsteinfledermaus und das Braune Langohr.

Zum Herbst hin müssen sich die Fledermäuse nun in sehr kurzer Zeit einen großen Fettvorrat anfressen, um den langen Winterschlaf zu überstehen.

Während des Zuges in die Winterquartiere, der im Herbst stattfindet, paaren sich die geschlechtsreifen Tiere bereits wieder, die Befruchtung und die Entwicklung der Embryonen erfolgt aber erst mit dem Aufwachen im nächsten Frühjahr, nach 5 - 6 Monaten Winterschlaf.

Fledermäuse können recht alt werden, die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei 5 - 6 Jahren, es sind aber auch Tiere gefunden worden, die über 20 Jahre alt waren.


Stellung im Tierreich
Die Fledermäuse bringen lebende Junge zur Welt und säugen diese mit Milch, bis sie flügge sind. Fledermäuse sind also Säugetiere, wie wir Menschen auch. Fledermäuse sind, obwohl es der Name fälschlicherweise andeutet, nicht mit den Mäusen verwandt. Sie bilden in der Klasse der Säugetiere eine eigene Ordnung. Deshalb wäre der Name Fledertiere passender. Weltweit existieren rund 950 Fledertierarten, zu denen auch die großen Flughunde der Tropen zählen. In Europa sind jedoch nur 30 Arten, die alle recht klein sind, beheimatet.


Fortbewegung
Fledermäuse sind als einzige Säugetiere zu aktivem Flug befähigt. Dieses Flugvermögen verdanken sie einigen Besonderheiten im Körperbau. Die Knochen sind besonders leicht und zwischen den stark verlängerten Fingern sowie den Armknochen und den Beinen hat sich eine äußerst elastische und dehnbare Haut gebildet, die sogenannte Flughaut. Die Flughaut gibt den Tieren den nötigen Auftrieb, wenn sie ihre Flügel in rascher Geschwindigkeit auf und ab bewegen. In der Ruhestellung können die Flügel wie ein Regenschirm zusammengefaltet und an den Körper angelegt werden. Fledermäuse können hervorragend fliegen und sind zu erstaunlichen Flugmanövern in der Lage. Zudem klettern, hangeln und
krabbeln sie auch sehr geschickt. Dabei stützen sie sich zusätzlich auf ihren Unterarmen und Handgelenken auf.


Orientierung und Sinne
Fledermäuse stoßen laute Schreie im Ultraschallbereich (oberhalb 20.000 Hertz), teilweise bis zu 100 in einer Sekunde. An den zurückgeworfenen Echos der Schreie erkennen die Fledermäuse jedes noch so kleine Beutetier und jedes Hindernis in der Flugbahn. Die Fledermäuse "sehen" mit den Ohren und können sich so ein sehr gutes Hörbild von ihrer Umgebung verschaffen. Das Echoortungssystem ist so leistungsfähig, daß Fledermäuse sogar noch in der Lage sind, Drähte von 0,1 mm Durchmesser zu erkennen. Da die Schreie im Ultraschallbereich (oberhalb der Hörgrenze des Menschen) liegen, können wir die Ortungslaute nicht hören, zum Glück, denn sie werden mit einer Lautstärke von bis zu 120 Phon
ausgestoßen, das entspricht der Lautstärke eines Presslufthammers.

Doch nicht alle Fledermausarten stoßen ihre Ortungsschreie mit solcher Energie aus. Gerade die Fledermäuse, die in Wäldern mit dichter Vegetation jagen, rufen sehr leise. Sie werden als "Flüsterer" bezeichnet. Bei diesen Arten sind die Ohren auffällig groß. Dies ist notwendig, damit die Tiere die Echos
ihrer leisen Rufe noch gut hören können.

Neben dem hervorragendem Gehör verfügen die Fledermäuse noch über einen guten Geruchssinn. Auch der Tast-, Geschmacks- und Gesichtssinn ist bei den Tieren vorhanden. Fledermäuse sind entgegen der weitläufigen Meinung also nicht blind, sie können Hell-Dunkel-Unterschiede erkennen und sich vermutlich auch an Umrissen weiter entfernter markanter Punkte orientieren. Den Fledermäusen hilft zudem auch ihr gutes Ortsgedächtnis, das bei jedem Flug aktualisiert wird.


Nahrung und ökologische Bedeutung
Weltweit existieren rund 950 Fledertierarten, die sich auf unterschiedlichste Weise ernähren. Es gibt Arten, die fressen Früchte, andere Nektar und Blütenpollen, die meisten ernähren sich von Insekten und einige wenige sogar von Fischen oder Fröschen und kleinen Säugetieren. Die Anzahl dieser Spezialisten
ist aber gering. So haben sich nur 3 Arten auf Wirbeltierblut spezialisiert. Die als Vampirfledermäuse bezeichneten Arten leben in Süd- und Mittelamerika. Es sind sehr kleine Fledermäuse, in der Größe vergleichbar mit unseren heimischen Arten. Sie besitzen sehr spitze Zähne, mit denen sie die Haut von
Weidetieren oder Vögeln anritzen und das austretende Blut auflecken. Der Biß ist für die Beutetiere schmerzlos und die Fledermäuse lecken nur eine geringe Blutmenge auf.

Alle 30 in Europa beheimateten Fledermausarten sind ausschließlich Insektenfresser! Die Fledermäuse übernehmen die Aufgabe der Vögel in der Nacht, wenn sie in rasantem Jagdflug allerlei Nachtfalter, Käfer und Mücken erbeuten.

Aufgrund ihres großen Nahrungsbedarfs und ihrer Anpassung an die nächtliche Insektenjagd kommt den Fledermäusen eine große ökologische Bedeutung als Schädlingsvertilger zu. Gäbe es keine Fledermäuse, könnten sich die nachtaktiven Insekten ungehindert vermehren, da Fledermäuse die einzigen Tiere sind, die in der Nacht fliegende Insekten erbeuten.

Jede Fledermausart bevorzugt bestimmte Insekten und besitzt eine eigene, ihr typische Art zu jagen. So vermeiden die verschiedenen Fledermausarten Konkurrenz um die Nahrung. Manche Arten jagen im freien Luftraum, andere sammeln Insekten von Blättern oder sogar vom Boden auf. Besonders Mücken, Schnaken, Fliegen und Nachtschmetterlinge stehen auf dem Speisezettel. Fledermäuse benötigen sehr viele Insekten (so frisst beispielsweise ein Abendsegler im Laufe eines Sommers etwa 1 kg Insekten) und jagen nur dort, wo es noch reichlichNahrung gibt, in naturnahen und intakten Landschaften also.